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13. Monatslohn in der Schweiz: Pflicht oder freiwillig?

9 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 30. September 2026

In der Schweiz ist der 13. Monatslohn gesetzlich nicht vorgeschrieben. Anspruch darauf hast du, wenn ihn dein Arbeitsvertrag oder ein Gesamtarbeitsvertrag vorsieht (Art. 322 OR) oder wenn der Arbeitgeber ihn regelmässig und ohne Vorbehalt ausbezahlt hat. Ist er vereinbart, gehört er zum Lohn. Beginnt oder endet das Arbeitsverhältnis während des Jahres, steht er dir in der Regel anteilig zu.

Ist der 13. Monatslohn in der Schweiz Pflicht?

In der Schweiz gibt es keinen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf einen 13. Monatslohn. Das Obligationenrecht, das den Arbeitsvertrag in Art. 319 ff. regelt, erwähnt ihn nicht, und laut dem KMU-Portal des SECO ist er gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Der Arbeitgeber schuldet den Lohn, der vereinbart oder üblich ist oder den ein Normal- oder Gesamtarbeitsvertrag festlegt (Art. 322 Abs. 1 OR). Einen Anspruch auf den 13. Monatslohn hast du deshalb in diesen Fällen:

  • Er ist im Arbeitsvertrag vereinbart. Eine mündliche Abmachung genügt, denn ein Arbeitsvertrag braucht keine besondere Form (Art. 320 Abs. 1 OR).
  • Ein Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag schreibt ihn vor. Das ist etwa im Gastgewerbe, im Bauhauptgewerbe und im Personalverleih der Fall.
  • Er ergibt sich aus einer Übung im Betrieb. Ein Vertrag kann auch stillschweigend zustande kommen (Art. 1 Abs. 2 OR), zum Beispiel wenn der Arbeitgeber eine Leistung regelmässig und ohne Vorbehalt auszahlt (BGE 136 III 313 E. 2).
75,9 %der Arbeitnehmenden in Industrie und Dienstleistungen erhielten 2024 einen 13. MonatslohnBundesamt für Statistik, Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2024 (Medienmitteilung vom 25.11.2025)

Laut derselben Erhebung zahlten 27,9 Prozent der Unternehmen im Jahr 2024 keinen 13. Monatslohn; 46,4 Prozent zahlten ihn nahezu allen Angestellten (BFS, Lohnstrukturerhebung 2024). Ob eine Stelle ihn vorsieht, klärst du deshalb am besten vor der Vertragsunterzeichnung.

Was unterscheidet den 13. Monatslohn von einer Gratifikation?

Eine Gratifikation ist eine Sondervergütung, die der Arbeitgeber neben dem Lohn bei bestimmten Anlässen ausrichtet, etwa an Weihnachten oder zum Abschluss des Geschäftsjahres (Art. 322d OR).

Auf eine Gratifikation hast du nur Anspruch, wenn sie vereinbart ist (Art. 322d Abs. 1 OR). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hängt sie immer bis zu einem gewissen Grad vom Willen des Arbeitgebers ab. Ist ein Betrag im Voraus festgesetzt und fest vereinbart, handelt es sich um Lohn (BGE 136 III 313 E. 2). Ein fest vereinbarter 13. Monatslohn gehört deshalb zum Lohn, auch wenn der Vertrag ihn «Gratifikation» nennt.

  • 13. Monatslohn: fester, im Voraus bestimmter Betrag; Teil des Lohns; bei einem Ein- oder Austritt während des Jahres in der Regel anteilig geschuldet.
  • Gratifikation: Höhe ganz oder teilweise im Ermessen des Arbeitgebers; Anspruch nur, wenn sie vereinbart ist; anteilig beim Austritt nur, wenn auch das vereinbart ist (Art. 322d Abs. 2 OR).

Ist eine Gratifikation im Grundsatz vereinbart, setzt der Arbeitgeber ihre Höhe nach billigem Ermessen fest. Er darf dabei zum Beispiel die Arbeitsleistung oder den Geschäftsgang berücksichtigen, die Gratifikation aber nicht willkürlich tief ansetzen oder ganz entfallen lassen (BGE 136 III 313 E. 2 und 2.3).

Welche Gesamtarbeitsverträge schreiben einen 13. Monatslohn vor?

Ein allgemeinverbindlich erklärter Gesamtarbeitsvertrag (GAV) gilt in seinem Geltungsbereich für alle Arbeitgeber und Arbeitnehmenden einer Branche, auch für jene, die keinem beteiligten Verband angehören (Art. 1 und 4 AVEG).

Die drei bedeutendsten allgemeinverbindlichen GAV sehen alle einen 13. Monatslohn vor:

  • Gastgewerbe (L-GAV): 100 Prozent eines Bruttomonatslohns. Für ein unvollständiges Arbeitsjahr besteht ein anteiliger Anspruch; er entfällt, wenn das Arbeitsverhältnis in der Probezeit aufgelöst wird (Art. 12 L-GAV).
  • Bauhauptgewerbe (LMV): Anspruch ab Anstellungsbeginn; hat das Arbeitsverhältnis kein ganzes Kalenderjahr gedauert, gilt ein Pro-rata-Anspruch (Art. 45 LMV).
  • Personalverleih: Anspruch auf einen 13. Monatslohn (Art. 18 Abs. 2 GAV Personalverleih). In den Mindestlohntabellen für Stundenlöhne ist er mit 8,33 Prozent eingerechnet (Anhang 2).
rund 747'000Arbeitnehmende unterstanden am 1. Juli 2026 diesen drei allgemeinverbindlichen GAVSECO, Statistik der allgemeinverbindlich erklärten Gesamtarbeitsverträge (Stand 1. Juli 2026)

Dein Arbeitsvertrag darf von einer solchen GAV-Regel nicht zu deinen Ungunsten abweichen; eine abweichende Abrede ist nichtig (Art. 357 Abs. 2 OR; Art. 4 AVEG). Während des Arbeitsverhältnisses und einen Monat danach kannst du auf den Anspruch auch nicht verzichten (Art. 341 Abs. 1 OR).

Welche GAV der Bundesrat für allgemeinverbindlich erklärt hat, zeigt die Übersicht des SECO. Daneben gibt es allgemeinverbindliche GAV auf kantonaler Ebene.

Wann wird der 13. Monatslohn ausbezahlt, und was gilt beim Stellenwechsel?

Wann der 13. Monatslohn ausbezahlt wird, bestimmen dein Arbeitsvertrag oder der GAV: Das Gesetz sieht für den Lohn eine Zahlung Ende Monat vor, lässt aber andere vereinbarte oder übliche Termine zu (Art. 323 Abs. 1 OR).

Möglich sind eine Zahlung pro Jahr, Teilzahlungen pro Halbjahr oder Quartal oder ein monatlicher Anteil. Zwei Beispiele aus allgemeinverbindlichen GAV:

  • Gastgewerbe: spätestens mit dem Dezemberlohn oder beim Ende des Arbeitsverhältnisses. Wird er Ende Monat oder mit dem Stundenlohn ausbezahlt, beträgt er 8,33 Prozent (Art. 12 Abs. 3 und 4 L-GAV).
  • Bauhauptgewerbe: Ende Jahr; mit schriftlicher Vereinbarung auch halbjährlich, mit quellensteuerpflichtigen Arbeitnehmenden auch monatlich. Auf der Lohnabrechnung muss er separat ausgewiesen werden (Art. 46 LMV).
8,33 %beträgt der 13. Monatslohn im Gastgewerbe, wenn er Ende Monat oder mit dem Stundenlohn ausbezahlt wird; das entspricht einem ZwölftelL-GAV des Gastgewerbes, Art. 12 Abs. 3 (allgemeinverbindlich, BBl 2009 8857; wieder in Kraft seit 1. März 2026, BBl 2026 311)

Beginnt oder endet dein Arbeitsverhältnis im Lauf des Jahres, wird ein vereinbarter 13. Monatslohn in der Regel anteilig berechnet, weil er zum Lohn gehört. Rechnet dein Vertrag mit dem Kalenderjahr und trittst du am 1. April eine Stelle mit CHF 5'200 Monatslohn an, stehen dir für dieses Jahr neun Zwölftel zu, also CHF 3'900.

Mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses werden alle Forderungen daraus fällig (Art. 339 Abs. 1 OR), also auch der anteilige 13. Monatslohn. Bei einer Gratifikation besteht ein anteiliger Anspruch nur, wenn er vereinbart ist (Art. 322d Abs. 2 OR).

Wird der 13. Monatslohn nicht bezahlt, kannst du ihn während fünf Jahren ab Fälligkeit einfordern (Art. 128 Ziff. 3 und Art. 130 Abs. 1 OR).

Welche Sozialabgaben und Steuern fallen auf den 13. Monatslohn an?

Der 13. Monatslohn gehört zum massgebenden Lohn der AHV; auf ihm werden deshalb die gleichen Beiträge an AHV, IV, EO und Arbeitslosenversicherung abgezogen wie auf dem übrigen Lohn (Art. 5 Abs. 2 AHVG; Art. 3 Abs. 1 AVIG; BSV).

  • AHV, IV und EO: Arbeitnehmeranteil 5,3 Prozent (Merkblatt 2.01 der Informationsstelle AHV/IV).
  • Arbeitslosenversicherung: Arbeitnehmeranteil 1,1 Prozent auf dem Lohn bis CHF 148'200 im Jahr (Art. 3 AVIG; Art. 22 Abs. 1 UVV).
  • Pensionskasse: Grundlage ist der AHV-Lohn (Art. 7 Abs. 2 BVG). Lohnbestandteile, die nur gelegentlich anfallen, darf die Pensionskasse in ihrem Reglement weglassen (Art. 3 Abs. 1 Bst. a BVV 2). Wie sie den 13. Monatslohn behandelt, steht im Reglement.
5,3 %Arbeitnehmeranteil für AHV, IV und EO, auch auf dem 13. MonatslohnInformationsstelle AHV/IV, Merkblatt 2.01, Stand 1. Januar 2026

Für die Einkommenssteuer ist der 13. Monatslohn Einkommen aus dem Arbeitsverhältnis (Art. 17 Abs. 1 DBG; Art. 7 Abs. 1 StHG). Auf dem Lohnausweis gehört ein vertraglich vereinbarter 13. Monatslohn zum Lohn in Ziffer 1. Leistungsabhängige Gratifikationen zählen dort zu den unregelmässigen Leistungen (ESTV, Wegleitung zum Lohnausweis).

Bist du quellensteuerpflichtig, zum Beispiel als Grenzgängerin oder Grenzgänger, wird auch vom 13. Monatslohn Quellensteuer abgezogen; sie wird von den Bruttoeinkünften berechnet (Art. 84 Abs. 1 und Art. 91 DBG). Vorbehalten bleiben die Regeln des jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommens (ESTV, Kreisschreiben Nr. 45, Ziff. 3.1.2). In Kantonen mit Monatsmodell, also in allen Kantonen ausser Freiburg, Genf, Tessin, Waadt und Wallis, wird der 13. Monatslohn im Monat der Auszahlung besteuert. Für den Steuersatz zählt er zum übrigen Lohn dieses Monats, der Abzug fällt in diesem Monat deshalb höher aus (Kreisschreiben Nr. 45, Ziff. 6.2 und 6.3 sowie Anhang III).

Wie vergleichst du Stellenangebote mit und ohne 13. Monatslohn?

Für den Vergleich von Stellenangeboten zählt der Jahreslohn, also der Monatslohn mal die Zahl der fest vereinbarten Monatslöhne.

Mit CHF 5'800 im Monat und 13. Monatslohn kommst du auf CHF 75'400 im Jahr. Ein zweites Angebot über CHF 6'200 ohne 13. Monatslohn ergibt CHF 74'400, also CHF 1'000 weniger, obwohl der Monatslohn höher ist.

  1. Frag nach, ob der Lohn zwölf- oder dreizehnmal ausbezahlt wird.
  2. Rechne jedes Angebot auf den Jahreslohn um.
  3. Zähle nur fest vereinbarte Beträge. Gratifikationen und Boni, deren Höhe der Arbeitgeber bestimmt, vergleichst du separat.
  4. Prüf, ob für die Branche ein allgemeinverbindlicher GAV gilt, der einen 13. Monatslohn vorschreibt.
  5. Lass dir den vereinbarten Lohn schriftlich geben. Ist das Arbeitsverhältnis unbefristet oder für mehr als einen Monat eingegangen, muss dich der Arbeitgeber spätestens einen Monat nach Beginn schriftlich über den Lohn informieren (Art. 330b OR).
CHF 7'024Medianlohn 2024 für eine Vollzeitstelle, brutto pro Monat; darin ist je ein Zwölftel des 13. Monatslohns und der jährlichen Sonderzahlungen enthaltenBundesamt für Statistik, Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2024 (Medienmitteilung vom 25.11.2025, methodischer Anhang)

Vergleichst du ein Angebot mit dem Medianlohn, teilst du den Jahreslohn deshalb durch zwölf: CHF 75'400 entsprechen rund CHF 6'283 im Monat. Der Medianlohn ist zudem auf eine Vollzeitstelle mit 40 Wochenstunden umgerechnet (BFS, Lohnstrukturerhebung 2024).

Arbeitest du als Grenzgängerin oder Grenzgänger gewöhnlich in der Schweiz, untersteht dein Arbeitsvertrag grundsätzlich dem Schweizer Recht (Art. 121 Abs. 1 IPRG). Die Parteien können aber das Recht deines Wohnsitzstaates wählen (Art. 121 Abs. 3 IPRG); ob das geschehen ist, steht im Arbeitsvertrag.

Offene Stellen zum Vergleichen findest du hier: aktuelle Stellen.

Häufige Fragen

Muss mein Arbeitgeber einen 13. Monatslohn bezahlen?
Nur wenn er im Arbeitsvertrag vereinbart ist, ein Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag ihn vorschreibt oder der Arbeitgeber ihn regelmässig und ohne Vorbehalt ausbezahlt hat. Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht; geschuldet ist der Lohn, der vereinbart, üblich oder durch einen Gesamt- oder Normalarbeitsvertrag bestimmt ist (Art. 322 Abs. 1 OR).
Bekomme ich den 13. Monatslohn, wenn ich im Lauf des Jahres kündige?
Ein vereinbarter 13. Monatslohn gehört zum Lohn und wird in der Regel anteilig bezahlt. Er ist mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses fällig (Art. 339 Abs. 1 OR). Bei einer Gratifikation gilt ein anteiliger Anspruch nur, wenn er vereinbart ist (Art. 322d Abs. 2 OR). Im Gastgewerbe entfällt der anteilige Anspruch, wenn das Arbeitsverhältnis in der Probezeit aufgelöst wird (Art. 12 Abs. 2 L-GAV).
Darf der Arbeitgeber einen vereinbarten 13. Monatslohn streichen?
Nicht einseitig. Er ist Teil deines Lohns (BGE 136 III 313 E. 2), und jede Lohnänderung ist eine Vertragsänderung. Dafür braucht es deine Zustimmung (Art. 1 Abs. 1 OR) oder eine Änderungskündigung. Schreibt ein allgemeinverbindlicher GAV den 13. Monatslohn vor, darf der Vertrag nicht zu deinen Ungunsten davon abweichen (Art. 357 Abs. 2 OR).
Werden vom 13. Monatslohn Sozialabgaben abgezogen?
Ja. Er gehört zum massgebenden Lohn der AHV (Art. 5 Abs. 2 AHVG). Abgezogen werden 5,3 Prozent für AHV, IV und EO sowie 1,1 Prozent für die Arbeitslosenversicherung, diese bis zu einem Jahreslohn von CHF 148'200 (Stand 2026).
Zählt der 13. Monatslohn beim Arbeitslosengeld?
Ja, wenn er ausbezahlt wurde oder du eine glaubhaft gemachte Forderung gerichtlich durchzusetzen versuchst. Dann rechnet ihn das SECO zum Lohn, aus dem der versicherte Verdienst ermittelt wird (Art. 23 Abs. 1 AVIG; Weisung AVIG ALE, Rz C2).
Wie lange kann ich einen nicht bezahlten 13. Monatslohn einfordern?
Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis verjähren nach fünf Jahren (Art. 128 Ziff. 3 OR). Die Frist beginnt mit der Fälligkeit, in der Regel also am vereinbarten Auszahlungstermin oder beim Ende des Arbeitsverhältnisses (Art. 130 Abs. 1 und Art. 339 Abs. 1 OR).

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